Betrugsmasche App-Tester – Vorsicht vor falschen Jobanzeigen

Autor: Jochen Meismann

Eine derzeit kursierende Masche ist auf den ersten Blick nicht als Betrug zu erkennen, insbesondere weil das Opfer sogar Geld bekommt. Doch am Ende ist der Preis hoch.

Wie die Betrugsmasche funktioniert und worauf Sie achten müssen, damit Sie nicht darauf hereinfallen, lernen Sie in diesem Artikel.

Stellenangebote für App Tests sind der Anfang des Betruges

In Kleinanzeigen oder Internetportalen tauchen immer wieder Stellenangebote auf, in denen Firmen nach sogenannten App-Testern suchen. Weil praktisch niemand weiß, was das überhaupt sein soll, ist die Nachfrage der Interessenten zunächst einmal groß.

Bei genauerer Recherche erfährt der Interessent, dass er Geld dafür erhalten soll, Apps zu testen. Das hört sich doch wirklich gut an, denkt manch einer.

App-Tester soll angeblich verschiedene Apps ausprobieren

Wer sich nach dem Angebot erkundigt erfährt, dass praktisch jede volljährige Person den Job ausüben könne. Einzige Voraussetzung – der Tester muss ein funktionierendes Smartphone besitzen, weil das sein “Werkzeug” ist.

Als Tester solle man dann verschiedene Apps auf Herz und Nieren prüfen und einen Fragebogen ausfüllen, ob einem Fallstricke oder Ungereimtheiten aufgefallen sind. Ist man durch alle Bereiche der App gegangen, soll man die Funktionalität bewerten. Einige der Apps seien mit dem sogenannten Video-Ident-Verfahren herunterzuladen. Hat man das gemacht, erhält man seine Bezahlung.

Was ist das Video-Ident-Verfahren beim App-Testen?

Beim Video-Ident-Verfahren verifiziert man sich und seine Anschrift per Video am Smartphone. Dabei ist es notwendig, seinen Ausweis in die Kamera zu halten und so seine Identität eindeutig nachzuweisen. Bekannt ist dieses Verfahren vor allen Dingen beim Eröffnen von Online-Bankkonten.

Wie funktioniert der eigentliche Betrug?

Meldet sich jemand auf das Jobangebot, erhält er erste Informationen von einer Firma. Demnach soll er Smartphone-Apps herunterladen und auf Funktionalität prüfen. Für das Teste der Apps fließt dann ein Honorar auf 450 Euro Basis. Der App-Tester muss mit seinem Auftraggeber einen Vertrag abschließen.

Der Vertrag regelt, welche Aufgaben er in seinem neuen Nebenjob zu erledigen sind und er enthält eine strenge Verschwiegenheitsklausel. So heißt es in den Dokumenten:

Der Arbeitnehmer wird als App-Testing Mitarbeiter eingestellt und vor allem mit folgenden Aufgaben beschäftigt:

  • Überprüfung von Apps und Softwares auf Benutzerfreundlichkeit und Mängel
  • Durchführung von Video-Identifikationen zur Überprüfung von Mitarbeitern anhand von Demo-Bankkonten
  • Erstellung und Einreichung der dazugehörigen Arbeitsberichte innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens

Der Arbeitnehmer erhält eine Vergütung in Höhe von 30 -50 Euro pro abgeschlossenen App-Test.

Der mehrseitige Vertrag zu den App Tests mit allerlei Klauseln wird ergänzt um eine gesonderte Erklärung zur Geheimhaltungspflicht – niemand soll etwas von dieser Tätigkeit erfahren. Uns liegen verschiedene Verträge vor, die bei unserer Detektei Dorsten und bei unserer Detektei Düsseldorf im Zuge von Ermittlungen sichergestellt werden konnten. Diese sind inhaltlich fast identisch, wenngleich sie von verschiedenen “Firmen” kommen, die beide angebliche “App-Tester” suchen.

Eröffnen eines Bankkontos per Video Ident als angeblicher App Test

Nach kurzer Zeit kommt der erste Auftrag. Der Betrüger fordert seinen nun bei ihm im Beschäftigungsverhältnis stehenden App-Tester dazu auf, ein Bankkonto bei einer Online-Bank zu eröffnen.

Dabei suggeriert der Betrüger dem Online-Tester, es sei nur ein Demo-Konto, das später wieder gelöscht wird.

Nun geht der App Tester hin und besucht eine Webseite einer Online Bank wie

  • Solaris
  • N26
  • oder anderen online verfügbaren Banken

Dort eröffnet der Tester mit seinem Smartphone ein Konto. Dazu bekommt er verschiedene E-Mails in sein Postfach und muss am Ende unter Vorlage eines Ausweis-Dokuments wie Reisepass oder Personalausweis seine Identität nachweisen.

Das geschieht mit Hilfe des sogenannten Video Ident Verfahrens. Dabei erfasst ein Dienstleister sämtliche Ausweisdaten des vermeintlichen Testers, seine IP-Adresse und macht einen Screenshot vom Gesicht und vom Ausweis des Testers.

Nach einem nur wenige Minuten dauernden Video Ident Verfahren ist das Bankkonto bereits eingerichtet und läuft auf den Namen des Testers. Dieser erhält später von den Banken, bei denen er Online-Konten eingerichtet hat, noch Post nach Hause, insbesondere die Bankkarte oder die Kreditkarte.

Betrugsmasche App-Tester

Das Demo-Konto ist in Wirklichkeit ein echtes Konto

Der Betrüger hat dem App-Tester vorgegaukelt, er würde nur ein sogenanntes Demo Konto eröffnen ohne echte Funktionen. Das Einrichten diene dem Process Testing, über das der Produkttester ein Protokoll führt.

Kommen die Bankkarte und die Kreditkarte sowie die zugehörigen PIN-Dokumente per Post beim gutgläubigen Produkttester an, leitet dieser die weiter an seinen Arbeitgeber. Diese braucht die Nummern und Karten, um angeblich das Demo-Konto wieder zu schließen.

Was der App-Tester nicht weiß: Er hat ein echtes Bankkonto auf seinen Namen abgeschlossen. Dieses wird vom vermeintlichen Auftraggeber keinesfalls gelöscht, sondern sofort übernommen.

Das angebliche Unternehmen honoriert dann seinen vermeintlichen App-Tester mit den versprochenen 30 – 50 Euro und hat dafür auf der anderen Seite ein Konto zu Verfügung, das auf einen fremden Namen läuft und mit dem das Unternehmen in den Folge kriminelle Handlungen ausführt.

Das Konto dient dann beispielsweise der Geldwäsche oder es wird Geld im Zusammenhang mit anderen Betrugsmaschen eingesammelt. Während Betrüger früher vornehmlich Finanzagenten für das Entgegennehmen von Geld nutzen, setzt sich mehr und mehr das reale Konto eines vermeintlichen App-Testers durch.

Die Betrüger haben uneingeschränkten Zugriff darauf und können das Geld nicht nur weiter transferieren, sondern per Bankkarte sogar überall damit arbeiten und bezahlen.

Das böse Erwachen kommt mit der Anklage

Die Konten laufen so lange, bis ein Opfer eines anderen Betruges, das Geld auf eines der Konten eingezahlt hat, Strafanzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft erstellt.

Bei den Ermittlungen der Behörden gerät der namentliche Kontoinhaber schnell ins Visier. Dessen Daten sind durch das Video Ident Verfahren ja bekannt. Und so dauert es stets nur einige Zeit, bis irgendwann die Polizei vor der Tür steht, weil die Betrüger alle so angelegten Konten für kriminelle Zwecke nutzen.

Betrugsmasche heißt Job-Scamming

Die Betrugsmasche, bei der falsche Jobangebote arglose Bürger in die Hände von Betrügern treiben, heißt Job-Scamming. Die Bezeichnung Scamming kommt aus dem Englischen und steht für Betrug.

Die Täter greifen mit den falschen Stellenanzeigen sämtliche persönliche Daten ihrer Opfer ab und nutzen später die Konten, die alle auf den Namen des App Testers laufen, für betrügerische Zwecke.

Neben Konten bei Banken eröffnen die Opfer in den meisten Fällen auch Konten bei Krypto-Börsen. Auch diese Zugangsdaten gehen an die Betrüger, die damit einen anonymen Hafen gefunden haben, um betrügerische Krypto-Geschäfte abzuwickeln. Ist der Account im Ausland, hat es sogar die Polizei schwer, dieses später wieder zu schließen.

Weil die Betrüger in der Folge das auf den Namen des Opfers verifizierte Konto unmittelbar für kriminelle Zwecke verwenden, ist die Falle beim Eröffnen per Video Ident Verfahren zugeschnappt.

Die meisten Opfer haben später einen erheblichen Schaden und ein Verfahren wegen Geldwäsche am Hals und es hagelt Anzeigen von Menschen, die darauf Geld eingezahlt haben.

Variante: Falsche Jobanzeigen mit Video Ident Verfahren

In einer Untervariante suchen Unternehmen mit scheinbar harmlosen Jobangeboten im Internet neue Mitarbeiter für diverse Jobs. Diese neuen Mitarbeiter sollen sich dann im Zuge des Online-Bewerbungsverfahrens angeblich selber identifizieren. Aus dem Grund verlangt der angebliche Arbeitgeber von seinem Opfer, sich per Video-Ident-Verfahren einer Bank gegenüber ausweisen.

Auch hierbei legen die späteren Kunden der Bank unwissentlich Konten an, mit denen die Betrüger dann Geldwäsche für allerlei Machenschaften betreiben.

Fake-Jobangebote zur Vorbereitung für Romance Scamming

Hauptsächlich für Betrugsmaschen wie den Liebesbetrug, heute Romance Scamming genannt, oder Bestellbetrügereien brauchen die Betrüger Konten, auf die andere Opfer Geld einzahlen können. Am Schluss der Betrügereien ist zunächst der unwissende App-Tester erster Verdächtiger der Behörden, da alles auf seinen Namen läuft.

Darum gilt unser Rat zur Vorsicht: Nehmen Sie kein Stellenangebot an, bei dem Sie eine Kontoeröffnung mittels Video-Ident-Verfahren als sogenannter App-Tester für einen Homeoffice Job machen sollen ab. Gleiches gilt für Bewerbungen, bei denen Sie sich über eine Bank identifizieren sollen.

Es ist überdies sehr unklug, im Zusammenhang mit Jobanageboten ein Foto seines Personalausweises oder Reisepasses oder sensible Daten an Unbekannte zu schicken. Das gilt für App Tests genau wie für alle anderen Fälle von Angeboten.

Detektive überprüfen im Zweifel den Anbieter des Jobs

Sind Sie in Ihrem Fall nicht ganz sicher, ob Sie in Kontakt mit einem seriösen Anbieter stehen? Dann rufen Sie uns an. Unsere Detektive überprüfen diesen Anbieter ganz diskret. Dabei sammeln wir Hinweise darauf, ob die Firma einwandfrei in Ordnung ist oder nicht. Diese Überprüfung kostet zwar etwas Geld, gibt Ihnen aber Sicherheit und schützt Sie vor einem Betrug. Holen Sie sich jetzt unverbindlich Informationen zu unserer Arbeit und zu dem Honorar in Ihrem Fall.

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